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Eintrag 1 - Stille

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Datum: 01.01.2013
Zeit: 04:30 Uhr

Nachricht:

Ich weiß nicht ob es jemanden geben wird, der diese Zeilen von mir zu lesen bekommt...

Seit Stunden irre ich bereits durch die Dunkelheit. Die meisten Straßenlaternen leuchten mir nicht mehr den Weg. Entweder gibt es keinen Strom mehr oder sie sind defekt. So laufe ich von einer Straßenseite zur Anderen, öffne Türen oder trete sie ein und rufe nach jemanden. Doch auf meine Rufe schlägt mir nur Stille ins Gesicht, die mehr Schmerzen verursacht, als die unerträgliche Kälte. Keine Menschenseele ist mir bis jetzt begegnet... keine Lebende...

Ich fühle mich einsam. Als wäre ich der einzige Mensch auf dieser Erde. Nicht einmal Tiere sind zu sehen. Sind sie alle tot? Bin ich allein? Noch immer fühle ich mich leicht benommen, seit dem es diesen großen Knall gab und eine Schockwelle mich von den Beinen gerissen hatte. Was ist nur passiert?

Die Straßen sind leer. Keine Fahrzeuge, keine Menschen. Leere, Stille... einfach unheimlich. Meine Schritte hallen durch die Straßen und eine Gänsehaut überkommt mich. Es muss doch irgendwo auch noch andere Menschen geben! Verdammt! In meinem Augenwinkel sehe ich eine dunkle Gestalt, die sich im faden Mondlicht, in einiger Entfernung langsam bewegt.

Doch in welch´ seltsamen Bewegungen sie langsam die leere Straße überquert. Diese Gestalt bewegt sich zuckend vorwärts und scheint alle Zeit der Welt zu haben. Froh darüber, endlich einen anderen Menschen zu sehen, renne ich die Straße hinunter. Der Hall meiner Schritte wird lauter und schneller. Hektik breitet sich aus, doch die Gestalt auf die ich zulaufe, scheint sich von dieser Hektik nicht anstecken zu lassen.

Je näher ich dieser Person komme, umso langsamer werde ich. Denn mit jedem Schritt bekomme ich ein seltsames Gefühl in der Magengegend und mein Adrenalin steigt. Ich hätte wohl nicht so viele Horrorfilme schauen sollen, denke ich mir und ein kleines Lächeln fährt mir über die Lippen. Endlich erreiche ich diese Gestalt, die auf meine Rufe nicht reagiert. Ich greife ihr an die Schulter, um sie zum stehen zu bringen. Doch im selben Moment fährt sie herum und ich weiche entsetzt zurück.

Es ist eine männliche Person, etwa um die 40 Jahre alt. Oder zumindest scheint sie das einmal gewesen zu sein, wenn ich das rein optisch beurteilen müsste. Das Gesicht dieses Mannes ist abartig entstellt. Hautfetzen hängen an seinen Wangen herab und Fleisch schaut heraus, umspielt von kleinen Adern die zum Teil gerissen sind und aus denen Blut herausfließt. Ich schaue ihm in die Augen, doch verliere ich mich in der unendlich zu sein scheinenden, rechten Augenhöhle. Kein Auge blickt mich aus dieser Gesichtshälfte an und es sieht so aus, als wäre das Auge erst vor kurzer Zeit herausgefallen.

Im nächsten Moment verliert sein Körper jegliche Kraft und bricht zusammen. Ich fange ihn auf und halte ihn in meinen Armen. Auf meine Fragen antwortet er nicht mehr. Wahrscheinlich versteht er gar nicht, was ich ihm erzähle. Ein Schwall Blut bricht aus seinem Mund heraus, wie rote Lava aus einem Vulkan. Schließlich ertönt ein gurgelndes Geräusch aus seinem Mund und als es aufhört, verstirbt dieser Mann in meinen Armen.

Und wieder Stille die mich umgibt. Trostlose Stille und Leere. Und mitten drin stehe ich. So viele Fragen und keine Antworten. Aber hier zu bleiben wird mir nicht helfen, also stehe ich wieder auf und lasse den toten Körper liegen. Nach wenigen Metern sehe ich einen Computergeschäft. Schnell laufe ich auf die Tür zu, verschlossen.

Mir bleibt nichts anderes übrig, als die Tür einzutreten. Zum Glück trage ich meine Armeestiefel und so ist es kein Problem, die Tür einzutreten. Auf den Verkaufstischen stehen zahlreiche Laptops herum. Welchen ich nehmen sollte, daran denke ich in diesem Augenblick nicht. Ich kralle mir einfach den Nächstmöglichen und setze mich in der hintersten Ecke auf den Boden. Hastig fahre ich ihn hoch und nachdem der Desktop geladen ist, klicke ich auf den Explorer. Gibt es das Internet noch? Einige Sekunden lang passiert nichts. Doch plötzlich wird eine Seite angezeigt, die online ist. Das Internet geht. Bedeutet dies, das es noch andere Menschen irgendwo gibt?

Mit meinen Händen fahre ich mir durch die Haare und vergesse dabei, das sie teilweise noch immer voller Blut sind. Wie soll es jetzt weiter gehen, frag ich mich. Das Einzige was ich jetzt tun kann, ist ein Lebenszeichen von mir zu senden. Vielleicht gibt es da draußen noch Menschen, die genauso hilflos und verzweifelt sind wie ich und die auf der Suche nach anderen Menschen sind.

Und so sitze ich nun hier in diesem Laden, in der hintersten dunklen Ecke und schreibe diese Zeilen. Ich weiß nicht ob es jemand geben wird, der diese Zeilen zu lesen bekommt.... Wenn ja, dann weiß diese Person, das sie nicht allein ist. Wenn nein, dann sind meine Einträge ein letztes Zeugnis der Menschheit. Ich wollte schon immer einen Roman schreiben aber ich hätte nie gedacht, das es vielleicht keine Menschen mehr geben wird, die ihn lesen werden.

Meine Augen fallen ständig zu.
Viel zu viel ist geschehen, alles hat sich verändert. Ich brauche nun etwas Schlaf. Wer weiß, was auf mich zukommt, wenn die Sonne am Horizont aufgeht und die Dunkelheit dem Licht weicht. Wenn das Grauen ein Gesicht bekommt....

Wenn da draußen noch jemand ist...

Du bist nicht allein...

23.12.09 09:46
 


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bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


Marina / Website (23.12.09 17:51)
Hallo Raphael,
ich hab deinen ersten Eintrag gelesen. Ist sehr interessant, ich mag dystopische Szenerien, du solltest weiter schreiben.
Erst dachte ich dein Erzähltempo wäre zu kurz und die Umgebung zu lieblos geschildert, doch der Schluss des Eintrages erklärt diese 'Hast'. Sehr gelungen und schlüssig.

Gruß,
Marina

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